Reisen
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Flanierende, sardische Banditen

Diesen Beitrag habe ich eigentlich schon vor mehr als zwei Wochen zu schreiben begonnen, als wir auf der Fähre von Abatax nach Olbia festgehalten wurden. Mehr als zwei Stunden konnten wir aufgrund von Platzmangel (unsere Freundin, die Aida, hat wohl noch Passagiere vermisst) mit der Fähre im Hafen von Olbia nicht anlegen. Unsere Nerven lagen blank, da wir doch schon zum Abendessen verabredet waren und der Hunger groß war. Die korsische Internetfreiheit und auch mein Urlaubsmodus haben meine Nichtpräsenz im Netz verschuldet. Daher mit etwas Verspätung ein Rückblick auf unsere sardische Radreise.

Blick auf die Berge und ins Land

Blick auf die Berge und ins Land

Wenn man on the road ist, jeden Tag ein neues Zimmer bezieht und jeden Morgen wieder seine Satteltaschen packen muss, dann empfindet man es schon als Luxus, vier Nächte am Stück im gleichen Bett zu schlafen. Dieses Ziel vor Augen, haben wir unsere letzte Radetappe von Oliena, einem authentischen und sympathischen Bergdorf in der Region Barbagia, bis ans Meer nach Santa Maria Navarese ausnahmsweise bereits früh am Morgen begonnen.

Kirche in Oliena

Kirche in Oliena

Aber bevor wir überhaupt von Oliena abgereist sind, haben wir zu Maria Himmelfahrt über eine wunderschöne Bergstrecke das berühmt-berüchtigtste Dorf auf Sardinien besucht, Orgosolo. Als wir Fabio in Olbia davon erzählt haben, schüttelte er nur den Kopf und fragte uns, ob wir unsere Pistolen denn mithaben. Schönheit ist Orgosolo wirklich keine, aber es hebt sich von anderen sardischen Bergdörfern durch die vielen sozial-kritischen Murales, die viele Hauswände des Ortes zieren, sowie die jahrzehntelange Rebellion gegen die Ausbeutung durch Großgrundbesitzer und den italienischen Staat ab. Mit Familienkriegen und Raubmorden à la Robin Hood ist dieser Ort daher zu einer fragwürdigen Berühmtheit gelangt.

Murales in Orgosolo

Murales in Orgosolo

Nicht die durchlöcherten Straßenschilder und unsere fehlenden Pistolen, sondern das drohende Berggewitter haben uns dann fester in die Pedale steigen lassen, um es an diesem Tag ohne Blitzschaden nach Oliena zurück zu schaffen.

durchlöcherte Straßenschilder gibt es überall

durchlöcherte Straßenschilder gibt es überall

Am Abend hat sich die gesamte Bevölkerung von Oliena für Maria Himmelfahrt ordentlich herausgeputzt. Ob Jung oder Alt, Mann oder Frau – alle flanieren entlang eines kurzen Straßenstückes- la passeggiata – um gesehen zu werden oder um die Anderen zu sehen. Den besten Aperol-Sprizz haben wir hier getrunken und wurden sogar von alten Männern dazu eingeladen, während ihre Frauen und die Witwen, die es noch ernst mit dem Katholizismus nehmen, sich in den Kirchen sammelten, um sich im Rahmen einer Maria-Himmelfahrt-Prozession durch den Ort zu präsentieren.

Marien-Prozession in Oliena

Marien-Prozession in Oliena

Unsere letzte Bergetappe von Oliena ans Meer löst bei den Einheimischen blankes Entsetzen und ihre Reaktion bei uns etwas Ehrfurcht aus. Ist es wirklich so anstrengend und schlimm, wie die Hiesigen uns weiß machen wollen? 😉 Laschi und ich redeten uns gegenseitig gut zu. Das Meer und das Hotel vor Augen, sind wir diese schöne Passstraße ernsthafter als zuvor, aber durchaus flockig gefahren. Mehr Zurufe und erstaunte Blicke als normal, haben uns auf der Strecke mit mehr als 1.400 Höhenmetern begleitet. Anstrengend und wunderschön war es! Mehr zum Meer in Kürze…

Passeggiata in Oliena

Passeggiata in Oliena

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