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Brot und Spiele.

Eigentlich bin ich ja schon in Seoul und genieße die „Ruhe“ nach dem „Sturm“ in Shanghai. Wie gesagt, alles ist relativ. 😉 Bei meinem letzten chinesischem Abendessen in Shanghai fragte mich meine Tischpartnerin, wie mir Shanghai gefällt. Höflich erkläre ich ihr, dass es mir gut gefällt, aber die Größe und der Bauwahnsinn mich erschüttert. Mein grundsätzliches Problem mit sozialistischen und kommunistischen Ländern habe ich dabei mal Außen vor gelassen, aber plötzlich schüttet dann meine Tischpartnerin irgendwie ihr Herz bei mir aus.

 

Tofu und Schnecken

Tofu und Schnecken

Zum Abendessen sind F. und ich um 19 Uhr im Jesse (41 Tiangping Lu) verabredet. Ich bin heiße 5 Minuten zu spät und F. kommt  schon aufgeregt aus dem Restaurant und lotst mich in das kleine, überfüllte Lokal. 30 Minuten haben wir für unser Essen, einen größeren Zeitslot haben wir nicht bekommen, entschuldigt sich F. Das Lokal ist chinesisch laut, die Männergruppe am nächsten Tisch wohlgenährt und akustisch sehr präsent. F. hat für uns schon vorbestellt und wir bekommen mit frischem Gemüse gefüllte Tofu-Rollen und Schnecken mit Koriander als Vorspeise. Besonders die Tofu-Rollen (Ma Lan Tou Dou Pi Juan) schmecken sehr gut, aber auch die Minischnecken mit Koriander sind nicht übel.

Bianca_Gusenabuer

Irgendwann zwischen Vor- und Hauptspeise streckt F. die Hände hilflos von sich und meint resigniert: Sie lebt nur noch im Jetzt, um nicht verrückt zu werden. Shanghai, die Angeberstadt von China, will dem Ausland nur zeigen, dass wir besser und schneller sind, meint F., aber das alltägliche Leben ist voller Hürden und Tücken und die politische Ungewissheit für sie fast unerträglich. Doch Brot und Spiele halten die Masse in Schach.

chinesische Stimmgewalt während des Abendessens

chinesische Stimmgewalt während des Abendessens

Dann kommt die Hauptspeise, eine Spezialgericht aus Shanghai: in Sojasauce geschmorter Schweinebauch mit Gemüse. Nicht unsexy, ausbaufähig und nur in kleinen Mengen verzehrbar. Zwischen Knochen aus dem Mund spucken und weiteren Schweinebauch in den Mund schieben, stellt F. aber auch fest, dass Shanghai die einzige chinesische Stadt ist, in der man leben kann. Die hohe Landflucht und die Zuwanderung aus allen Ecken des Landes scheinen ihre Annahme zu bestätigen.

Geschmorter Schweinebauch

Geschmorter Schweinebauch

Apropos Zuwanderung. In Sachen Straßenküchen ist die Zuwanderung natürlich ein Gewinn, da es dadurch selbst aus dem Norden gutes Essen auf der Straße zu finden gibt. Einen Einblick in die Vielfalt gibt das schöne Buch von Julia Dautel und Nicole Keller „Shanghai Straßenküchen: Menschen, ihre Geschichten und Rezepte“ (AT-Verlag). Für alle, die Shanghai kennen oder vorhaben, nach Shanghai zu reisen, ist dieses Buch die beste Einstimmung auf das Angebot und die Stadt!

Nach knapp 50 Minuten sind wir dann auch mit dem Essen und auch emotional ein wenig fertig. Aber trotzdem, Shanghai hat was, aber kritisch kann man ja trotzdem sein.

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